Klimafasten Woche 2: Konsumverhalten

Aktualisiert: März 6

Mehr dazu auf: https://www.klimabewusstes-bad-soden.de/themenwoche-2-konsum


Nachhaltig leben und einkaufen

Mit einer Umstellung unseres Konsumverhaltens rund um unsere Ernährung lässt sich schon viel erreichen. Natürlich konsumieren wir noch viel mehr als nur Nahrungsmittel. Es geht um alle Produkte von Kleidung und Schuhen, Hygieneartikeln, Elektrogeräten, Möbel, Sport- und Freizeitequipment, bis hin zum Internet. Jedes Produkt und jede Dienstleistung haben ihren eigenen CO2-Abdruck. Auch Reisen, Mobilität, Strom und Wärme sind letztendlich Konsumgüter, die allerdings in späteren Themenwochen intensiver bearbeitet werden. ​ Konsum reicht tief in den individuellen Lebensstil des Menschen ein. Damit ist er deutlich besser als die anderen großen Teile des Fußabdrucks für den einzelnen Menschen kontrollierbar und nicht zwingend abhängig von Politik und Gesellschaft. Wir müssen also nicht auf Veränderung "von oben” warten, sondern können selbst aktiv werden und entscheiden. ​ Es ist wichtig zu verstehen, dass nichts was wir konsumieren negative CO2 Emissionen hat. Wenn du also nicht gerade hektarweise Regenwald erwirbst, hat nichts was du kaufen kannst einen positiven Einfluss auf unser Klima. Ökologisch nachhaltiger Konsum bedeutet also Schadensminimierung. Das heißt, so zu konsumieren, dass die damit verbundenen CO2 Emissionen möglichst gering ausfallen. Klimabewusster Konsum steht also eigentlich für Verzicht. Aber keine Angst, verzichten wollen wir nur auf neue Produkte. Mit ein wenig Kreativität und Innovation lässt sich unser Konsum um einiges nachhaltiger gestalten. ​ Die Lebensdauer eines Produktes lässt sich grob in vier Abschnitte einteilen. Ich möchte euch Tipps und Prinzipien mitgeben, die euch bei der Orientierung auf dem Weg zum nachhaltigeren Konsum helfen können.


Produktion

Klimaschonende Produktion setzt sich vor allem aus den Komponenten Material und Energieverbrauch zusammen. Die Produktionsbedingungen herauszufinden, kann sich sehr schnell als kompliziert offenbaren. An dieser Stelle helfen Zertifizierungen verschiedenster Art dabei, mehr Einsicht über das Maß an Nachhaltigkeit eines Produktes in Erfahrung zu bringen. So können wir als Endverbraucher beurteilen, ob ein Produkt unseren Anspruch an Nachhaltigkeit erfüllt oder nicht. Darüber hinaus ist es trotzdem wichtig zu hinterfragen, wofür genau die Zertifizierungen stehen, welche Bedingungen erfüllt werden müssen und wer sie vergibt. ​ Wenn es um das Material geht, fallen Unterschiede schnell ins Auge. Wird mit Rohstoffen produziert, deren Synthese, Verarbeitung oder Gewinnung mit hohen CO2 Emissionen verbunden ist, oder wird auf nachhaltige, vielleicht sogar recyclebare bzw. bereits recycelte Rohstoffe gesetzt? Interessant ist auch zu hinterfragen, ob das Produkt biologisch abbaubar ist oder nicht. Aber Achtung: Hersteller werben häufig mit recyclebaren Materialen. In der Realität werden diese jedoch aus Kostengründen gar nicht recycelt. Passt also auf den Unterschied zwischen recyclebaren und recycelten Materialien auf. Unternehmen nutzen diese Verwechslung gerne, um ihr Image zu polieren („Greenwashing“). ​ Zu einem Produkt gehört natürlich oft auch eine Verpackung. Damit kommen wir zu dem Rohstoff, der uns seit dem 20. Jahrhundert überall begleitet: Plastik. Plastik wird vor allem aus Erdöl hergestellt. Es ist sehr beliebt bei Herstellern, weil es billig und auf verschiedenste Weisen einsetzbar ist. Die Herstellung von Kunststoffen ist jedoch mit hohen CO2 Emissionen verbunden, dazu ist es nicht biologisch abbaubar, das heißt selbst für die Entsorgung wird Kohlenstoffdioxid emittiert. Recycelt wird leider immer noch nur der kleinste Teil, deswegen widmen wir eine Challenge dieser Woche auch dem plastikfreien Konsum. ​ Zu dem Thema Produktion kann man natürlich auch hinzufügen, dass es zahlreiche Möglichkeiten gibt sich eigenständig auszuhelfen. Vielleicht kann man sich das gewünschte Produkt selbst bauen, mischen, formen oder improvisieren. Wenn man alle Ressourcen parat hat, ist das oft die nachhaltigste Alternative. Mit ein bisschen Kreativität und Improvisationsvermögen kann man so oft vermeiden, neue Konsumgüter anzuschaffen.





Transport

Jede Form von Transportmittel steht mit CO2 Emissionen in Verbindung. Es gibt natürlich Unterschiede, ob Produkte per Flugzeug, Schiff, Laster oder Fahrrad transportiert werden. Prinzipiell verhält sich der CO2 Ausstoß proportional zur Transportdistanz, also von je weiter weg die Produkte kommen, desto mehr CO2 wird ausgestoßen. ​ Wenn ihr gekaufte Lebensmittel möglichst klimaneutral transportieren wollt, dann nehmt doch das nächste Mal, wenn ihr zum Bäcker, ins Restaurant oder ins Café geht, eure eigenen wiederverwendbaren To-Go-Behälter mit. Das gilt natürlich genauso für Einkaufstaschen im Supermarkt oder Einzelhandel. So können wir verhindern, dass unzählige Plastik- und Papiertaschen verbraucht werden, die meistens nicht mal eine Lebensdauer von 24 Stunden überschreiten.


Nutzung

Bei der Nutzung von Produkten ist vor allem die Lebensdauer ausschlaggebend dafür, wie nachhaltig das Produkt ist. Achtet also darauf, dass ihre euren Besitz pflegt und schonend behandelt, denn er soll so lange wie möglich halten. Das entlastet natürlich auch den Geldbeutel. ​ In Verbindung dazu, muss man definitiv auch von der Nutzung von Einwegprodukten abraten, da diese der Inbegriff von verschwenderischem und kurzfristigem Konsum sind. Natürlich lassen sich Einwegprodukte nicht immer umgehen. Beispielsweise wird die globale Corona-Pandemie den jährliche Plastikverbrauch, durch Einwegmasken, Handschuhe und To-Go-Behälter in die Höhe schießen lassen. Allerdings gilt es bei Rasierern, Geschirr und Ähnlichem bitte die Finger von Einwegprodukten zu lassen. ​ Bei Elektrogeräten auf die Energieeffizienz zu achten, sowie unnötige Laufzeit und Standby-Modi zu vermeiden sind zwei einfache Wege, in diesem Bereich verantwortlicher zu konsumieren, mehr dazu gibt es aber in der Themenwoche Strom und Energie. ​ Nachhaltige Nutzung kann auch bedeuten sich als Gemeinschaft Gebrauchsgegenstände zu teilen. Wenn man als Familie, Hausbewohner, Nachbarschaft oder sogar als Dorfgemeinschaft zusammen Produkte anschafft, verhindert man, dass Dinge gekauft werden, die letztendlich kaum benutzt werden. Alles was gar nicht erst produziert wird, ist weniger Belastung für die Umwelt. Beispiele für Produkte, wo dieses Prinzip gut anzuwenden ist, sind zum Beispiel Gartengeräte, Werkzeug, Fahrradanhänger. ​ Ein Konsumbereich, der gerne vergessen wird, wenn es um CO2 Emissionen geht, ist das Internet. In Deutschland ist das Internet für genauso viele CO2-Emissionen verantwortlich wie der Flugverkehr. Jede einzelne Internetsuche verbraucht Strom. Dazu kommt, dass wir mittlerweile viele Daten online speichern und durch das Teilen von Fotos, Dokumenten, etc. diese Daten auch noch unnötig vervielfachen. Um dieses Konzept aufrecht erhalten zu können, müssen riesige Serveranlagen betrieben werden, die sehr viel Energie schlucken. Ein einfacher Weg die CO2 Emissionen unserer Internetnutzung zu kompensieren, ist die Nutzung der Suchmaschine „Ecosia“. So werden für deine Suchanfragen in ökologisch beanspruchten Gebieten Bäume gepflanzt. Die Umstellung ist in jedem Browser super einfach und unproblematisch.



Entsorgung/Wiederverwertung

Mit dem Lebendsende eines Produktes geht keinesfalls unsere Verantwortung für nachhaltigen Umgang damit verloren. Die Entsorgung ist ausschlaggebend für den ökologischen Fußabdruck eines Produktes. Wie wir nachhaltig mit Abfall umgehen, lernen wir im späteren Verlauf des Klimafastens. Doch was, wenn wir das Produkt gar nicht entsorgen müssten? Bevor man diesen Schritt eingeht, sollte man sich fragen, ob man ein kaputtes Produkt nicht einfach reparieren kann. Zumindest Teile oder Materialien eines beschädigten Gegenstands kann man an anderer Stelle noch gebrauchen. Es gibt sehr viele Möglichkeiten, um die Herstellung eines neuen Produktes zu umgehen. Nur weil wir einen Gegenstand nicht mehr brauchen, heißt das nicht, dass ihn niemand anderes verwenden könnte. Es gibt zahlreiche einfache Wege, um benutzte Produkte zu verkaufen. Wir müssen anfangen umzudenken, damit bei Bedarf ein neues Produkt nicht die erste oder sogar einzige Alternative bleibt. Wenn zum Beispiel zuerst alle „Second-Hand“ Optionen evaluiert werden, können wir viel CO2 einsparen. Außerdem sind gebrauchte Produkte tendenziell preiswerter und haben durch ihr Alter mehr Charakter als perfekte, neue Gegenstände. Bei mir führt das dazu, dass fast alle Möbel/ Einrichtungsgegenstände in meiner Wohnung alle mindestens eine/n vorherige/n Besitzer/in hatten. Und für manche Sachen davon musste ich sogar überhaupt nichts zahlen. ​ Gebraucht kaufen kann man heutzutage fast alles, dafür landen aber immer noch viel zu viele nutzbare Dinge im Müll. Unter Anderem sind Autos, Smartphones, Möbel oder Freizeitequipment alles Gegenstände, die man hervorragend gebraucht verkaufen und demnach auch kaufen kann. Bei Bekleidung gibt es momentan schon eine sehr schöne Entwicklung hin zum „Second-Hand“-Trend. Für viele ist klar, dass alte, nicht mehr passende Kleidungsstücke zumindest gespendet werden können. Meistens werden jedoch die alten Teile einfach durch neu produzierte Klamotten ersetzt, obwohl das Internet, wie auch der eigene Bekanntenkreis tolle Möglichkeiten bieten, an bereits getragene Kleidungsstücke heranzukommen. Die Qualität der gebrauchten Produkte steht den neuen höchstens ein wenig nach, der Preis ist dafür um einiges niedriger.


Fazit

Es scheint immer viel Aufwand und Zeit zu brauchen, sich ausreichend über den ökologischen Hintergrund von Produkten zu informieren. Wir wollen euch zeigen, dass nicht viel Arbeit dahintersteckt, die es sich aber auf jeden Fall lohnt aufzuwenden. ​ Sobald ihr ein Produkt in der Hand haltet, sind die CO2 Emissionen, die für dessen Produktion angefallen sind, als „versunkene Kosten“ zu betrachten, weil ihr den Vorgang nicht rückgängig machen könnt. Deswegen sind die Abschnitte des „Lebens“ eines Produktes, wo wir am genausten hinschauen sollten, die Produktion, sowie die Wiederverwendung. ​ Abschließend möchte ich euch noch drei Punkte mit auf den Weg geben, die kurz und prägnant festhalten, wie wir unseren Konsum nachhaltiger gestalten können.

  1. Nachhaltig muss für uns zum Qualitätsmerkmal und Kaufkriterium werden.

  2. Prüft erstmal alle gebrauchten und aufbereiteten Optionen, bevor ihr neue Produkte anschafft.

  3. Fragt euch, ob ihr wirklich braucht was ihr kaufen/besorgen wollt.



Challenge 1: Einen Tag ohne Einwegplastik




Wir fordern euch heraus einen Tag plastikfrei zu leben. Dabei geht es nicht darum, einen Tag lang ohne Produkte auszukommen, die Kunststoff enthalten. ​ Das wäre heutzutage beinahe unmöglich, da ja schon in den meisten Smartphones und Schuhen Kunststoffe verarbeitet sind. Es geht hier also um den strengen Verzicht auf Einmal-Plastik in Form von Tüten, Geschirr, Flaschen oder anderen Konsumgütern und Behältern, die nur einmal verwendet werden. Das bedeutet für euch: Keine Produkte mit Plastikverpackung, keine Einweg-Plastikflaschen, keine dünne Kunststofftüte für den Einkauf im Supermarkt, Bäckerei oder Drogeriemarkt mitnehmen, Obst und Gemüse nicht einzeln in kleine Plastiktüten packen und keine andere Form von Einwegplastik, wie zum Beispiel Frischhaltefolie oder Waschmittel-Pods nutzen. ​ Wie ist das zu schaffen? Benutzt eure eigenen Mehrweg-Möglichkeiten. Das kann der To-Go-Becher im Café sein, Glas- oder Mehrweg-PET-Flasche zum Trinken und natürlich wiederverwendbare Einkaufstaschen aus Stoff.


Challenge 2: Streaming und Filme - eine Belastung für das Klima?



Mittlerweile ist das Internet aus unserem alltäglichen Leben kaum noch wegzudenken. Vor Allem in Zeiten von Corona hat das Internet noch mehr an Bedeutung gewonnen. Doch wie hängt eigentlich unsere Internetnutzung mit dem Klimawandel zusammen? ​ Laut einer Studie aus dem letzten Jahr ist der Datenverkehr in den letzten acht Jahren um das 6,5-fache gestiegen und die Anzahl der Server sogar um den Faktor 26. Trotz der Verbesserung der Effizienz des Datenaustausches und weiteren technischen Entwicklungen wächst der Energieverbrauch im Bereich Internetnutzung. ​ Vor Allem das Streamen von Videos hat einen besonders hohen Energieverbrauch. Laut einer Hochrechnung einer anderen Studie sind seien etwa 80% unseres Datenverkehrs auf Video-Daten zurückzuführen. Demnach habe Video-Streaming allein im Jahr 2018 mehr als 300 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente verursacht. Das entspreche der Menge an CO2, die das gesamte Land Spanien in einem Jahr ausstößt. ​ Aufgrund dessen regen wir für die zweite Challenge dazu an, einen Tag auf Video-Streaming-Dienste wie Netflix, Amazon Video oder auch YouTube zu verzichten. Neben dem kompletten Verzicht auf Streaming-Dienste gibt es auch die Möglichkeit energie- und damit CO2-sparender zu streamen. Hier sind ein paar Tipps für einen sparsameren Filmeabend:

  1. Streame weniger und sei dabei wählerischer: Wenn ein Film oder eine Serie dir nicht zusagt, dann schalte ab.

  2. Qualität reduzieren: Es muss nicht immer 8K-Qualität sein – die meisten Videos kannst du auch in geringerer Qualität wiedergeben. Niedrigere Qualitäten reduzieren den Datenverkehr und damit die CO2-Emissionen. Natürlich solltest du noch erkennen können, was auf dem Bildschirm passiert, doch dafür reichen auch niedrigere Auflösungen aus.

  3. Digital Detox: Verbringe nicht jeden Abend vor dem Bildschirm. Lies zur Abwechslung ein Buch. Laut einer Hochrechnung betragen die durchschnittlichen CO2-Emissionen für das Lesen eines Buches sogar nur ein Viertel der durchschnittlichen Emissionen, die in gleicher Zeit durch Streaming emittiert werden würden.

Quellen:



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