Bad Soden ist letzter bei der Selbsterzeugung von Grünstrom pro Einwohner im MTK.

Aktualisiert: Juni 23

Im Rahmen unserer Arbeitsgruppe Energie, haben wir in den letzten Wochen errechnet, wie viel des eigenen Stromverbrauchs Bad Soden ungefähr pro Jahr selbst erzeugt. Dabei kamen wir auf einen Anteil von maximal 2,7%. Mit einer pro-Kopf Grünstrom-Erzeugung von 64,72kWh je Einwohner ist Bad Soden außerdem letzter im Main-Taunus-Kreis.


Die Selbsterzeugung aus Grünstrom steigt nur langsam.


Diese Berechnungen haben wir anhand des Marktstammdatenregisters angefertigt, in dem die bereits installierten Kapazitäten solarer Strahlungsenergie aufgeführt sind (1). Mithilfe der dort angegebenen Daten konnten wir feststellen, das Bad Soden kurz vor der 2MW Grenze bei der Nennkapazität steht. Genauer: Stand Juni 2021 sind in Bad Soden Anlagen mit einer Gesamtkapazität von 1,968 MW installiert. Verstärkt hat sich diese Entwicklung seit 2008. Die größten Zuwächse gabe es 2014 mit 341 kW Nennkapazität, gefolgt von 325kW in 2012 und 270kW in 2019. Allerdings ist dies eine unterdurschnittlich schnelle Entwicklung, wie ein Vergleich mit anderen Kommunen weiter unten zeigt.


Quelle: eigene Berechnungen, basierend auf Marktstammdatenregister (2021).



2 GWh Strom erzeugt Bad Soden selbst (circa),

72GWh ist der gesamte Stromverbrauch der Kommune (2,7%),

436GWh ist der gesamte Energieverbrauch der Kommune (0,45%)

Aus dieser Nennkapazität, auch Nettonennleistung genannt, ergibt sich eine Stromerzeugung von circa 2 GWh Strom pro Jahr, wobei das eine optimistische Hochrechnung ist. Da es aufgrund von Datenschutzbedenken keine aggregierten Zahlen vom Netzbetreiber gibt, wie viel Strom in Bad Soden selbst erzeugt wird, basieren diese auf Durchschnittswerten für Deutschland. Hier gilt: eine kW Nennkapazität produziert circa 1005 kWh Strom in Hessen pro Jahr (2), wobei dies für moderne Anlagen gilt. Der durchschnittliche Wert für die Anlagen in Bad Soden wird also etwas darunter liegen. Daraus ergibt sich bei einer Kapazität von 1,968 MW eine geschätzte Stromerzeugung von bis zu 1,978 GWh pro Jahr. Das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen geht sogar nur von 1,48 GWh aus (3).


Zum Vergleich: Bad Soden verbraucht pro Jahr laut Energiesteckbrief 72 GWh Strom, während der gesamte Energieverbrauch bei 436 GWh liegt (4).


Bad Soden erzeugt also maximal 2,7% des eigenen Strombedarfs selbst aus Erneuerbaren Energien, und nur 0,45% des gesamten Energieverbrauchs. Zum Vergleich: der Durchschnitt im Main-Taunus-Kreis lag 2015 schon bei 11%, deutschlandweit waren es 2020 45% (5, 6).


Von einer Vorstadt in einer Metropolregion kann man (zumindest 2021) zwar nicht erwarten, dass sie im Bundesdurchschnitt liegt. Dass wesentlich mehr möglich ist, zeigen aber andere Kommunen im Umkreis, und auch bei denen ist noch viel Luft nach oben.



Es geht besser, andere Kommunen machen es vor.


Aus der Energiemonitoring Karte vom Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen (5) ergibt sich, dass alle Kommunen aus dem Main-Taunus-Kreis mehr Grünstrom pro Kopf produzieren als Bad Soden (64,72kWh). Allgemein hinkt der MTK als Kreis jedoch auch anderen Landkreisen in Hessen in diesem Kontext hinterher. Flörsheim (4581,66kWh) ist mit Abstand Spitzenreiter und erzeugt wesentlich mehr Grünstrom pro Einwohner als der Durchschnitt verbraucht (1770kWh). Allerdings profitiert es von einem großen Biomassekraftwerk. Aber auch die direkten Nachbarstädte Schwalbach (355,62kWh) , Sulzbach (101,51kWh) und Liederbach stehen besser da.

Quelle: Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen (2020).



Was kan die Stadt tun? Von der Bürgersolaranlage bis zur Solaroffensive gemeinsam mit Hauseigentümern und Gewerbe.


Zwei Möglichkeiten, die sich in anderen Kommunen bewährt haben, und erstmal keine größeren planerischen Prüfungen, wie bei einer Windkraftanlage verlangen, sind Bürgersolaranlagen sowie eine Solaroffensive gemeinsam mit Gewerbe und privaten Hauseigentümer:innen. Über Bürgersolaranlagen haben wir ebenfalls einen Blogeintrag geschrieben. Gleiches folgt für eine Solaroffensive. Ein erster Impuls kann die Solaroffensive in Hamburg sein, die mit einem breiten Bündnis von Akteuren mit der Stadt initiiert wurde



Anmerkung zum Marktstammdatenregister: Hier wird nicht zwischen Photovoltaic (PV) und Solarthermie unterschieden, allerdings wird deutschlandweit nur die Gesamtkapazität von PV-Anlagen angegeben und nicht von Solarthermie. Deshalb nehmen wir zur Vereinfachung an, dass 100% der in Bad Soden installierten Anlagen PV-Anlagen sind. Der Anteil an lokal produziertem Strom wird also leicht unter 2,7% liegen.


(1) Marktstammdatenregister (2021). Erweiterte Einheitenübersicht (online verfügbar: https://www.marktstammdatenregister.de/MaStR/Einheit/Einheiten/ErweiterteOeffentlicheEinheitenuebersicht)


(2) Echtsolar.de (2021). Photovoltaik-Ertrag: So viel bringt die Anlage wirklich (online verfügbar: https://echtsolar.de/photovoltaik-ertrag/)


(3) Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen (2020). Energiemonitoring Karte. online verfügbar: https://www.energieland.hessen.de/monitoring-karten)


(4) Regionalverband FrankfurtRheinMain (2019). Komunaler Energiesteckbrief Bad Soden. (online verfügbar: https://mapview.region-frankfurt.de/transfer/Dateidownload/Energiesteckbriefe/Energiesteckbrief_Bad_Soden.pdf)


(5) Energymap.info (2015). Bad Soden. (online-verfügbar: http://www.energymap.info/energieregionen/DE/105/113/171/539/13994.html)


(6) Umweltbundesamt (2020) Erneuerbare Energien in Zahlen. (online verfügbar: https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/erneuerbare-energien/erneuerbare-energien-in-zahlen)

32 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen