Balkon Solarmodule: Was gibt es zu beachten?

Aktualisiert: Okt 18

Wer nicht die Möglichkeit hat sich über eine "große" Solaranlage aktiv an der Energiewende selbst zu beteiligen für den sind sogenannte Balkon Solarmodule, oft auch Stecker-Solargeräte oder Mini-PV Anlagen genannt, eine einfache und gute Alternative, um einen Teil seines Strombedarfs über die "eigene" Produktion zu decken.


Diese Mini-PV Anlagen grenzen sich primär durch die Leistung und Größe von den "normalen" PV-Anlagen ab. Eine Mini-PV-Anlage darf eine Leistung von bis zu 600 Watt haben, um kaum regulatorischen Hürden zu unterliegen. Die gängigsten Anlagen haben 300 oder 600 Watt Leistung, aber es gibt mittlerweile auch diverse andere Leistungsstufen dazwischen und darunter.


Impressionen von Mini-PV Anlagen

© Infinitum Energie © Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie © indielux


Die Mini-PV Anlagen bestehen wie die konventionellen Anlagen aus denselben Hauptkomponenten, nur viel kompakter:

  • In der Regel 1-2 Solarmodule zur Produktion des Gleichstroms

  • 1 Wechselrichter zur Umwandlung des Gleichstroms in den von unseren Elektrogeräten nutzbaren Wechselstrom

  • Photovoltaik-Kabel zur Verbindung der Module mit dem Wechselrichter und der (Einspeise-) Steckdose

  • (Optional) Befestigungs- oder Aufsteller-Vorrichtung für die Mini-PV-Anlage


Ihre Schritte zur Mini-PV

  1. Identifikation/Verfügbarkeit eines sonnigen Ortes für den Aufbau/Montage der Anlage. Dies kann ein Balkon, Dach, Hauswand, Garten, Garage oder Gartenhäuschendach sein, in dessen Nähe eine (Einspeise-)Steckdose zur Verfügung steht

  2. Erlaubnis zum Betrieb: Mieter oder Wohnungsbesitzer in einer Eigentümergemeinschaft sollten den Betrieb/Erlaubnis mit dem Vermieter bzw. der Eigentümergemeinschaft abstimmen

  3. Dimensionierung der Anlage: Auf Basis des Stromverbrauchsprofil ist die Größe der Anlage zu dimensionieren. Da bei den Mini-PV Anlagen der produzierte Strom nur für den Eigenverbrauch genutzt wird, sollte man die Anlagengröße an seiner Stromnutzung ausrichten. Hier kann man sich z.B. an seinem Stromgrundverbrauch / Dauerlast orientieren

  4. Kauf/Auswahl einer Anlage. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von verschiedenen Modellen. Die Anlagen werden neben der Leistungsklasse in Watt oft auch nach dem Einsatzort (Balkongeländer, Flach-Dach, Ziegeldach, etc.) oder der Beschaffenheit der Module (Flexible Module oder Solarmodule mit und ohne Glas) unterschieden

  5. Die Montage der Anlage kann eigenständig durchgeführt werden. Laut DIN VDE 0100-551-1:2016-09 ist der Anschluss durch den Laien in Endstromkreisen vorgesehen. Vor der Inbetriebnahme ist die Elekroinstallation (primär die Steckdose/Sicherungen) von einen Elektro-Installateur zu prüfen. Auf die Prüfung kann unter bestimmten Bedingungen verzichtet werden, siehe Quelle: pvplug.de/faq

  6. Rechtssicherer Betrieb. Bei dem Betrieb der Anlage ist es wichtig sicher zu stellen, dass es am Stromzähler nicht zu einem Zählerrücklauf (Kann vorkommen, wenn mehr Strom produziert, als verbraucht wird) kommen kann. Am einfachsten kann man das gewährleisten, wenn man einen Zähler mit Rücklaufsperre hat (alle modernen Zähler sollten über diese Rücklaufsperre bereits verfügen). Wenn man noch einen Zähler ohne Rücklaufsperre hat, ist dies beim Netzbetreiber anzuzeigen, dieser sollte dann den Stromzähler kostenlos tauschen. Des Weiteren müssen ortsfeste Steckdosen-Solarmodule laut MaStRV registriert werden. Nicht ortsfeste Einheiten müssen nicht registriert werden. Da bisher nicht abschließend geklärt ist, wann ein Steckdosen-Solarmodul ortsfest ist, empfehlen wir die unkomplizierte und kostenlose Registrierung via https://www.marktstammdatenregister.de. (Quelle: pvplug.de/faq). Des Weiteren ist eine Meldung der Anlage bei dem Netzbetreiber erforderlich, Details siehe Meldung von Steckdosen-Solargeräten in Deutschland.


Strittige bzw. in Diskussion befindliche Punkte

Das strittigste und meist diskutierte Thema im Kontext von Mini-PV Anlagen ist die Steckdose, über das die Anlage den Strom in dem Stromkreislauf einspeist.


Laut pvplug.de/faq ist eine "normale" Schuko-Steckdose für die Nutzung zulässig, wenn das Solar-Gerät den DGS Sicherheitsstandard für steckbare Stromerzeugungsgeräte DGS 0001 einhält. Einige andere Quellen, u.a. die Norm VDE V 0628-1, sehen vor, dass der Anschluss über eine geeignete Energiesteckdose/Einspeisesteckdose, z.B. eine Wieland Einspeisesteckdose, zu erfolgen hat.


Wenn man auf Nummer sicher gehen und eventuelle Diskussionen mit dem Netzbetreiber vermeiden möchte, ist eine Einspeisesteckdose oder feste Verbindung (analog dem Herdanschluss) zu empfehlen.


Zusammenfassung der wichtigsten rechtlichen und technischen Vorgaben

  • Baurecht: Von der Anlage darf keine Gefährdung ausgehen, es ist auf eine sturmsichere Befestigung und elektrische Sicherheit zu achten. Des Weiteren sind abhängig von dem Objekt Vorgaben aus dem Denkmalschutz / Ensembleschutz zu beachten

  • Mietrecht/Wohnungseigentumsrecht: Ggf. gibt es in den individuellen Vereinbarungen/Verträgen schon konkrete Aussagen. Ansonsten ist die WEG/Vermieter zu informieren. Wenn durch die Anlage die Außenoptik des Gebäudes verändert wird, oder eine bauliche Veränderung (z.B. neue Steckdose) notwendig ist, ist ggf. eine Zustimmung erforderlich

  • Relevante Normen des Verband der Elektrotechnik (VDE): Die "Niederspannungsrichtlinie" VDE AR-N 4105:2018 regelt das vereinfachte Verfahren. Des Weiteren sind die bereits erwähnten Normen VDE 0100-551-1:2016 (Erlaubnis der Einspeisung in Endstromkreise, Anschluss durch Laien/Prüfung durch Elektrofachkraft) und VDE 0628-1:2018 (Vorgaben Energiesteckdose) relevant


Wirtschaftlichkeit einer Balkon-Solar-Anlage

Die Wirtschaftlichkeit der Anlage rechnet sich ausschließlich durch den eingesparten Strom, den man von der Anlage direkt verbraucht und nicht vom Netz einkauft. Abhängig von der Größe und Ausrichtung der Anlage kann man ca. 200 - 600 kWh pro Jahr mit einer Balkonsolaranlage produzieren. Wenn man diesen Strom direkt verbraucht, kann man eine Strom-Ersparnis pro Jahr in Höhe von ca. 60 - 180 EUR erzielen. Ganz grob kann man sagen, dass sich die Investitionskosten nach ca. 5-6 Jahren amortisiert haben. Dies hängt aber invididuell u.a. von der konkreten Anlage/Kosten, dem individuellem Stromverbrauchsprofil, dem Strompreis und der Effizienz/Ausrichtung der Anlage zusammen. So könnte man die Anlage bei einem hohem Strom-Verbrauch zur Output-Optimierung/Maximierung Richtung Süden positionieren, bei einem geringeren Grundverbrauch könnte ggf. aber auch eine Kombination von mehreren Ausrichtungen vorteilhaft sein, um die Grundlast über einen längeren Zeitraum abzudecken und am Mittag nicht zu viel zu Strom zu haben. Aber das sind dann wirklich Detail-Optimierungen.

Neben dem wirtschaftlichen Aspekt können Sie durch eine Mini-PV Anlage zu einer CO2-Ersparnis von ca. 105 - 240 kg pro Jahr beitragen.


Wir hoffen die vielen Informationen waren für Sie nützlich und erleichtern Ihnen die Entscheidung für eine (Mini-) PV-Anlage und den sicheren Betrieb!


Bei Fragen/Unklarheiten/Feeback oder Beratungsbedarf melden Sie sich gerne bei uns persönlich via info@klimabewusstes-bad-soden.de oder über die öffentliche Kommentarfunktion dieses Blogs!


Weitere Quellen zum Thema


Disclaimer

Die Inhalte wurden mit größter Sorgfalt zusammen getragen. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Inhalte können wir jedoch keine Gewähr übernehmen.

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